Illustrator CC 2015: Das sind die wichtigsten und besten Neuerungen!

von Monika Gause

Illustrator CC 2015: Das sind die wichtigsten und besten Neuerungen!

Im Juni 2015 wurde die neue Version zusammen mit ihren »Geschwistern« bei einer großen Veranstaltung in Berlin vorgestellt. Wie so oft in den letzten Versionen fanden auch diesmal die Veränderungen in Illustrator eher im Hintergrund statt. Wir stellen Ihnen alle wichtigen Neuerungen vor und zeigen auf, was sie in der Praxis bringen.

Bevor wir mit der Vorstellung der Neuerungen beginnen, möchten wir Sie auf einen wichtigen Umstand hinweisen, die Installation betreffend:

Installation

Bei der Installation werden standardmäßig alte CC-Versionen gelöscht!!! Das kann dazu führen, dass installierte Illustrator-Skripte verloren gehen. Mit der alten Version sind dann außerdem deren Drittanbieter-Plug-ins weg. Wer das nicht möchte, muss in der Creative Cloud App die Optionen ändern. Dazu klicken Sie bei der Installation auf Erweiterte Optionen und deaktivieren die Option Alte Versionen entfernen.

1. Autosave

Diese Neuerung wurde von vielen Anwendern seit Jahren sehnsüchtig erwartet. Illustrator kann nun automatisch in einstellbaren Abständen Sicherungen Ihrer Datei durchführen. Stürzt Illustrator während der Arbeit ab, werden beim nächsten Start die vorher geöffneten Dokumente wiederhergestellt, das funktioniert sogar bei Dokumenten, die neu erstellt und bisher nie gespeichert wurden und die Funktion speichert tatsächlich alte Dokumente in der neuesten AI-Version, sodass keine Effekte oder Pinsel umgewandelt werden. Die Sicherung wird unter Voreinstellungen → Dateien verarbeiten und Zwischenablage aktiviert und konfiguriert.

Bild: Voreinstellungen für die automatische Sicherung

Das Plug-in Autosaviour Free wird damit nur noch von Anwendern von Illustrator CS6 benötigt. Autosaviour Pro dagegen ist nicht überflüssig, denn es ist in der Lage, mehrere zurückliegende Versionen zu speichern.

Und Sie sollten sich trotz aller Autosave-Mechanismen immer eine unabhängige Sicherungsstrategie entwickeln und diese auch anwenden. Verlassen Sie sich nie (!) auf Automatismen. Autosave funktioniert gut, aber Murphys Gesetz ist damit nicht außer Kraft gesetzt. Speichern Sie früh, speichern Sie oft, speichern Sie mehrere Versionen auf unterschiedlichen Medien.

Bild: Das Plug-in Autosaviour Pro ist nicht überflüssig geworden, denn es kann mehrere Versionen sichern. Falls Sie es bereits besitzen, aktualisieren Sie es auf die neue Version.

2. Schneller arbeiten dank GPU-Unterstützung

Illustrator lagert Berechnungen der Darstellung auf die Grafikkarte aus. Die muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit das reibungslos läuft. Außerdem müssen die Treiber aktuell sein (besonders unter Windows kann es sein, dass zwar eine aktuelle Treiberversion angezeigt wird, aber tatsächlich nicht die wirklich letzte Version installiert ist). Eine Liste der unterstützten Grafikkarten findet sich hier.

Die GPU-Unterstützung bringt zwei weitere größere Neuerungen mit sich: zum einen ist nun ein Zoom bis 64.000% möglich. Zum anderen können Sie wie in Photoshop einen »Scrubby Zoom« (in Illustrator als Animierter Zoom bezeichnet) benutzen, d.h. beim Verschieben des Cursors auf der Zeichenfläche zoomt Illustrator immer weiter hinein. Das lässt sich aber auch in den Voreinstellungen deaktivieren unter Voreinstellungen → GPU-Leistung. Am schnellsten kommen Sie dorthin mit einem Klick auf die Rakete im Steuerungsbedienfeld.

Bild: GPU-Leistung-Voreinstellungen mit Rakete-Button

Viele Probleme bei der Darstellung sind allerdings ebenfalls mit der GPU-Unterstützung verbunden. Objekte verschwinden, Zeichenflächen bleiben schwarz, Pinsel funktionieren nicht richtig oder gar nicht und es gibt auch Abstürze. Falls das auftritt, sollten Sie mit einem Klick auf die kleine Rakete in der Steuerungspalette die GPU-Unterstützung deaktivieren.

Im Illustrator-Userforum können Sie einen Thread eröffnen (oder sich in einen vorhanden einhängen), wenn es Probleme gibt. Die dort häufig anwesenden Adobe-Mitarbeiter sind in der Lage, eine Ferninspektion des Systems durchzuführen: https://forums.adobe.com/community/illustrator

3. Abgesicherter Modus

Illustrator ist ein empfindliches Programm: mit kaputten Fonts oder alten Plug-ins mag es nicht zusammenarbeiten. Dies führte früher zu Startproblemen, die viele Anwender nicht alleine lösen konnten. Findet so ein Konflikt mit der neuen Version statt, dann kann Illustrator die betreffenden Störungen selbst isolieren und bei einem Neustart ignorieren. Illustrator listet alle gefundenen Probleme auf, sodass Sie außerdem in der Lage sind, sie zu beheben, also die kaputte Schrift oder das alte Plugin zu deinstallieren.

Bild: Nach der Analyse listet Illustrator die Fehlerquellen auf, sodass Sie sie vor dem nächsten Start beseitigen können.

4. Muster kopieren und einfügen

Dies ist eine gute Nachricht vor allem für Mode- und Stoffdesigner: Ist die Einstellung Muster transformieren (in den Voreinstellungen, dem Transformieren-Bedienfeld oder den Transformieren-Werkzeugen) aktiv, dann behalten Muster in Objekten ihre Position, wenn Sie sie in ein anderes Dokument einfügen. Dies war in früheren Version in den meisten Fällen nicht der Fall.

Bild: Muster transformieren (im Drehen-Werkzeug)

5. Schließen eines Buntstiftpfads

In den Optionen des Buntstift-Werkzeugs, die Sie mit einem Doppelklick auf das Buntstift-Werkzeug erreichen, können Sie einen Abstand als Schwellenwert einstellen, innerhalb dessen Pfade automatisch geschlossen werden. Sind die Endpunkte weiter voneinander entfernt, wird der Pfad nicht geschlossen. Illustrator zeigt das Schließen mit einem kleinen Kreis in der Nähe des Cursors an, sobald Sie beim Zeichnen in Reichweite des Anfangspunkts kommen.

Bild: Neue Buntstift-Optionen

6. Diagramme (nur in der US-Version)

Illustrators Diagrammfunktion ist ungefähr hundert Jahre alt. Derzeit findet eine Überarbeitung statt und wer eine US-Version installiert, kann sich das neue Chart-Werkzeug bereits ansehen – es befindet sich in der Gruppe der Diagramm-Werkzeuge. Derzeit ist nur ein Diagrammtyp aktiv. Adobe Charts ist ein webbasierter Dienst, d.h. die Diagramme werden online erstellt. Änderungen an der Grafik werden in Illustrator selbst vorgenommen. Die Diagramme werden in den Bibliotheken gespeichert.

Bild: Adobe Charts

7. Verknüpft arbeiten mit Elementen aus Bibliotheken

Wenn man etwas aus einer Bibliothek nun in Illustrator, InDesign oder Photoshop platziert, dann wird es standardmäßig verknüpft und entsprechend auch aktualisiert, wenn sich das Original ändert. Wer das nicht möchte, zieht das Element mit gedrückter Alt-Taste in die Datei.

Bild: Ein aus einer Bibliothek verknüpft platziertes Element

8. Freihand im Formerstellungswerkzeug arbeiten

Mit dem Formerstellungswerkzeug ließen sich bisher nur Bereiche in gerader Linie verbinden. Mit der neuen Version können Sie das Werkzeug frei über die ausgewählten Pfade bewegen, um Formen zu verbinden. Falls Sie dies nicht wünschen, lässt es sich in den Werkzeugoptionen, die Sie mit einem Doppelklick auf das Formerstellungswerkzeug erreichen, abstellen.

Bild: Arbeiten mit dem Formerstellungswerkzeug

9. Touch-Arbeitsbereich

Der Touch-Arbeitsbereich auf Windows-Geräten hat einige zusätzliche Funktionen erhalten. Sie können darin nun direkt Bilder platzieren, ohne vorher einen anderen Arbeitsbereich nutzen zu müssen. Mit der Ausrichten-Palette können Sie dort nun auch Objekte verteilen. Die Optionen eines zuvor verwendeten Werkzeugs werden beim Werkzeugswechsel automatisch zurückgesetzt und Sie können variable Breitenprofile darin nun auch um den Pfad speigeln.

Bild: Das Ausrichten-Bedienfeld im Touch-Arbeitsbereich

10. Kooperation mit Comp CC

Arbeiten, die Sie auf dem iPad in Comp erstellt haben, können in Illustrator weiterbearbeitet werden. Die Konvertierung von komplexen Vektorgrafiken aus den Bibliotheken ist allerdings nicht optimal, sodass diese am besten in Illustrator erneut aus der betreffenden Bibliothek eingefügt werden. Eine detaillierte Beschreibung des Comp-Illustrator-Workflows finden Abonnenten von »Creative Aktuell« in diesem Beitrag.

Und zum Schluss noch die Kleinigkeiten:

Photoshop Sketch-Zeichnungen größer verwenden

Auch aus Photoshop Sketch können Arbeiten an Illustrator gesendet werden. Diese lassen sich nun auf die vierfache Größe skalieren, da sie eine höhere Auflösung besitzen.

Verläufe

Farbfelder, die an Verlaufsstopps angewandt wurden, werden nun in der Farbfelder-Palette hervorgehoben.

Bild: Eine Verlaufsfarbe wird im Farbfelder-Bedienfeld hervorgehoben.

HEX-Werte kopieren und einfügen

A propos Farben: Wenn Sie HEX-Werte aus anderen Programmen einfügen, ist es nun egal, ob ein # vor dem Wert mitkopiert wurde. Illustrator kann ihn ignorieren.

Kurvenzeichner-Werkzeug

Mit dem Kurvenzeichner-Werkzeug lassen sich nun auch Pfade miteinander verbinden und Sie können an Anfangs- und Endpunkte ansetzen, um den Pfad weiterzuführen. Ursprünglich ließ sich das Werkzeug nur am Endpunkt verwenden – dieser ist im Gegensatz zum Startpunkt als ausgefüllter Punkt dargestellt. Um nun zu wechseln, drücken Sie die Esc-Taste, dann können Sie auch am Startpunkt ansetzen, um den Pfad weiterzuführen.

Bild: Das Kurvenzeichner-Werkzeug setzt immer am Endpunkt an.

In den Voreinstellungen können Sie außerdem jetzt getrennt für Zeichenstift und Kurvenzeichner-Werkzeug den Gummibandmodus aktivieren.

Bild: Voreinstellungen für Auswahl und Ankerpunkt-Anzeige – ganz unten wird das Gummiband aktiviert

Keiner Wermutstropfen: Systemanforderungen (Mac OS)

Eine der wichtigen Neuerungen für Mac-Anwender besteht darin, dass es nur noch ab Mac OS 10.9 läuft. Wer eine ältere Version betreibt und nun erst aktualisiert, muss gleich auf 10.10 umsteigen, denn 10.9 ist nicht mehr erhältlich. Das kann gegebenenfalls Folgen für andere Software und Plug-ins haben. Informieren Sie sich also gründlich über den Status aller Software. Mac OS 10.10 ist auch nur noch unter erschwerten Bedingungen (falls überhaupt) dazu zu bewegen, die Creative Suite CS5 oder CS4 zu betreiben, falls Sie diese noch für Spezialaufgaben benötigen.

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